26Mai2014

Mit System planen und Standards nutzen

Kostendruck, Marktvolatilität, Konkurrenzsituationen und dynamische Unternehmensentwicklungen bei Anlagenbetreibern und bei Anlagenplanern drängen etablierte Standards zurück – Standards in der Technik, in Geschäftsprozessen, in der Projektabwicklung. Das kurzfristige Ziel ist es Zeit zu sparen, aber gespart wird oft am falschen Ende: Nur mit etablierten Standards kann ein Unternehmen im modernen Wertschöpfungsnetzwerk effizient wirtschaften. Eine Anfangsinvestition ist nötig, der Ertrag der Standardisierung ist jedoch real und rechtfertigt die Investition.

Standards sind Meilensteine des menschlichen Fortschritts. Die Blöcke der Pyramiden, die Breite chinesischer Stadttore oder die Papierformate wurden genormt, um effiziente Prozesse zu gewährleisten. Standards reduzieren Reibungsverluste und unterstützen das Streben nach Qualität, sie erleichtern die Kommunikation und ermöglichen die Kontrolle von Leistungen, eine Grundlage für Qualität. Mit standardisierten Ressourcen, Abläufen und Werkzeugen können neue Mitarbeiter schneller eingearbeitet werden, was zusätzliche Möglichkeiten im Personalwesen eröffnet. Und nicht zuletzt vergrößern Standards die Durchlässigkeit einer Branche zwischen Zulieferer, Betreiber und Planer, weil sich alle auf eine gemeinsame Sprache verständigt haben.

Allerdings sind diese positiven Effekte nicht umsonst zu haben: Nur mit Weitblick und Übersicht zeigt sich das wirtschaftliche Potential der Interoperabilität, weshalb die Sachzwänge des Tagesgeschäfts und die Langfristperspektive der Standardisierung nur schwer zusammenpassen. Zudem zwingen Standards dazu, umzudenken, Gewohnheiten zu hinterfragen und andere Arbeitsabläufe auszuführen. Zu allem Überfluss ist der Markt in Bewegung, Engineering-Partner und Auftraggeber wechseln dynamisch und oft nach Abschluss eines Einzelprojekts. Und wenn dem Anlagenbetreiber die eigene Planungssicherheit fehlt, weil der Markt keine verlässlichen Prognosen erlaubt, fällt die Entscheidung schnell für eine Ad-hoc-Lösung und gegen den Standard.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich folglich der Trend  herausgebildet, auf spielerische Weise Neues auszuprobieren und den »Standard« im laufenden Geschäft zu bestimmen.  Diese Hands-on-Mentalität, exemplarisch mit mündlichen Absprachen auch bei großen Vorhaben, widerspricht grundlegenden Erkenntnissen in der Leistungserbringung: Wer auf das  Lastenheft verzichtet, handelt sich höheren Aufwand in der Vertragsabsprache und vor allen Dingen in der Umsetzungsphase ein. Und allein die Digitalisierung der Anlage ohne Einführung von Standards ist nicht der Weisheit letzter Schluß.

Was in Summe auf der Hand liegt: Standards sind in erster Linie vom Top-Management zu fordern und zu fördern. In der eigenen Organisation und in den eigenen beeinflussbaren Projekten sollte dafür Sorge getragen werden, dass alle Einheiten mit dem gleichen Maß messen, um die von ihnen geforderten Leistungen effizient erbringen zu können.

Dieter Hofmann
Geschäftsführer plantIng GmbH

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