18Juli2013

Site-Engineering – Planen im Bestand

Im internationalen Wettbewerb müssen Bestandsanlagen umgebaut, erweitert oder optimiert werden. Verfahren und Werkzeuge wie die Digitalisierung und das 3D-Laser-Scanning haben sich etabliert. Je größer das Vorhaben, desto wichtiger ist jedoch auch die Management-Kompetenz der Planer. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass das Projekt nicht aus dem Ruder läuft.

Die zunehmende Digitalisierung der Anlagenplanung unterstützt den Prozess und verspricht bessere sowie schnellere Resultate. Ohne die Methoden des »Virtual Engineerings« wird in Zukunft kaum ein Hersteller, Planer und Betreiber mehr auskommen. Mehr oder weniger interaktive 3D-Modelle sollen die Sammlung, Bearbeitung und Verteilung von Daten beschleunigen, die Fehlerraten beim Engineering senken und die Nutzung der erneuerten Anlage erleichtern. Beispielsweise lassen sich am interaktiven 3D-Modell Produktionsabläufe durchspielen, eventuelle Schwachstellen entdecken sowie Betriebsmannschaften schulen. Die Chancen und Vorteile können gewaltig sein, auch in Bezug auf die Effizienz von Folgeprojekten – wenn die zu untersuchende Anlage nicht eng und zugebaut ist.

Inzwischen ist die Technologie der 3D-Laserscanner in der Tat ausgereift und finanziell realistisch, zumal viele »Kinderkrankheiten« kuriert worden sind: die mangelnde »Intelligenz« der Programme, eine von der Distanz abhängige Punktdichte des Scans, das hohe Datenvolumen und unzureichende Ergebnisse bei Kanten und Ecken sind immerhin so weit gelöst, dass heute mit einem 3D-Scanner zuverlässige As-built-Dokumentationen erstellt werden können. Auf deren Grundlage lassen sich Ausführungen und Kollisionskontrollen mit einem hohen Maß an Planungssicherheit und in kürzerer Zeit umsetzen. Doch damit allein ist es nicht getan, denn die Digitalisierung bringt weitere Herausforderungen mit sich, die schnell dazu führen können, dass sich ein großes Projekt verzögert oder seine Zielvorgaben nicht erreicht. Das nachvollziehbare Interesse, den Wert der Daten durch den Austausch mit allen beteiligten Gewerken wie Elektro oder Stahlbau zu erhöhen, erfordert ein stringentes Handling von Informationen und Änderungen. Dabei muss sichergestellt sein, dass die Daten auch zu den eingesetzten Engineering-Werkzeugen in allen Projektphasen passen – und im Idealfall auch über mehrere Jahre auf sie zugegriffen werden kann, wenn die einstigen Programme schon längst wieder veraltet sind.

Daher nimmt die Bedeutung der Projektleitung und des Projekt-Managements zu: Neben einer genauen Steuerung der Engineering-Prozesse müssen die entsprechenden Daten, die für die Planung benötigt werden, immer rechtzeitig, richtig und vollständig verfügbar sein, damit fachgerecht gearbeitet werden kann. Auch der gelegentlich geäußerte Wunsch in betriebsnahen Projekten, vor Abschluss der Datenaufnahme und den Ergebnissen der Verfahrenstechnik die Planung zu beginnen, ist riskant. Das Änderungs-Management muss mit äußerster Sorgfalt geführt werden, um die Übersicht über den Stand der Daten zu behalten. Diese sind wie Rohdiamanten, die von einem erfahrenen Experten veredelt werden. Und nicht zuletzt: Bei einem Umbau oder der Erweiterung einer bestehenden Anlage funktioniert das nicht aus der Ferne vom Rechner aus. Die Mitarbeiter der Planungsteams müssen sehr nah an die Anlage heran. Nur die Kombination aus Mensch und Maschine sorgt dafür, dass Anlagen im Sinne ihrer Betreiber optimiert werden.

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