23August2011

Der perfekte Stillstand bedeutet, nicht mal eine Minute abschalten zu können.

Erhöhung der Sicherheit in mehreren Anlagenteilen gleichzeitig während eines einzigen Stillstands – eine Herausforderung für Construction-Management.

Das Projekt betraf die Petrochemie, genau gesagt den Downstream-Bereich eines Konzerns, der weltweit an mehreren Standorten beheimatet ist. Einer unserer Zuständigkeitsbereiche ist der Standort Köln mit mehr als 1.500 Mitarbeitern, aufgeteilt in zwei Raffineriebereiche. Als Manager of Field Construction umfassen meine Tätigkeiten die Mitarbeit in der Planungsphase – Kalkulation, Organisation, Prüfung auf Machbarkeit, Bauablauf und Umschlussplanung, vor allem aber ist es meine Aufgabe vor Ort für eine optimale Projektabwicklung während der Implementierungsphase zu sorgen.

Die ganz spezielle Aufgabenstellung hatte zum Ziel, die Anlagensicherheit zu verbessern und damit auch eine höhere Sicherheit für alle Mitarbeiter zu gewährleisten – und das war für mich eine persönliche Herausforderung, denn es galt, in einer Stillstandszeit von 3,5 Wochen 14 verschiedene externe Gewerke – im Schnitt circa 165 Projekt-Mitarbeiter auf acht verschiedenen Baustellen – perfekt zu organisieren, um die Punktlandung hinzulegen, nach der die erfolgreiche Projektumsetzung verlangte. Dazu muss man noch sagen, dass unser Team nicht allein auf weiter Flur war: Elf weitere Projektteams sowie das betriebseigene »Turnaround« arbeiteten ebenfalls auf dem Standort. In Zahlen: Zu Spitzenzeiten tummelten sich bis zu 4.300 Mitarbeiter inklusive Kranen und  LKW, Facility-Management, Catering sowie Baufahrzeugen jeglicher Art auf einem relativ kleinen Areal von fünf Fußballfeldern.

In der Vorbereitungsphase wurden schon mal Arbeiten organisiert, die im Vorfeld erbracht werden konnten, wie bspw. das Erstellen einer detaillierten Bauablaufplanung, die Prüfung jeglicher Projektdokumentationen, die allgemeine Baustelleneinrichtung, Gerüstbau, Vorrichten und Montage von Stahlbaubühnen und Fundamenten, Gitterbahnausbau inklusive Kabelzug und das Schaffen von Platz im Areal durch Vorrichtzelte. Auch das Zusammenstellen einer tatkräftigen Bauleitung, die in den verschiedensten Fachbereichen bestens bewandert sein musste, gehörte zu den Vorbereitungen, um einen optimalen Start hinzulegen.

Der Tag »X«, auf den alle hingearbeitet hatten, kam. Die Anlagen wurden vom Betrieb runtergefahren, gesichert und freigegeben. Dann hieß es » Ärmel hochkrempeln und los! «. Der 700 Meter lange Rohrbau an 48 verschiedenen Örtlichkeiten mit Montage, Equipment, EMSR und Stahlbau wurde begleitet von täglichen Meetings mit unserem Kunden sowie den verschiedenen Gewerken. Dort wurden Themen wie Sicherheit und Progress, aber auch Probleme, die zwangsläufig vor Ort entstehen, besprochen.

Nach zweieinhalb Wochen machten sich die Anstrengungen auch körperlich bemerkbar – Muskelkater tauchte an Stellen auf, an denen man nicht einmal Muskeln vermutet, und Gedanken brauchten deutlich länger, um zu Ende gedacht zu werden. Nun hieß es, noch einmal alle Kraft zusammenzunehmen, um bis zum Schluss fokussiert und sicher zu arbeiten.

Es kam die erste entscheidende Abnahmephase. Mit Argusaugen prüften die Inspektion, QHSE, Technologie, der Betreiber und auch der TÜV die von uns erbrachten Leistungen ... Als sie dann ihre offiziellen Freigaben erteilten und noch dazu ein insgesamt sehr positives Feedback gaben, fiel dem gesamten Team eine große Last von den Schultern. Soweit, so gut. Erleichtert und vom Ehrgeiz gepackt, nun auch die letzten Meter – weiterhin mit der Sicherheit aller Mitarbeiter als oberster Prämisse – zur Zufriedenheit aller zu meistern, haben wir alle Anlagenteile termingerecht an den Betreiber übergeben, und die Anlage konnte ohne Verzug wieder hochgefahren werden.

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