01August2011

Mobilmachung der Ingenieurstudenten

Der Ingenieurmangel in Deutschland droht zu einem der größten Probleme für die industrielle und die technologische Entwicklung unseres Landes zu werden. Was ist zu tun?

Für die Zukunft des Technologiestandorts Deutschland sind gutausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure eine der zentralen Voraussetzungen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund müssen sowohl das Ingenieurstudium als auch der Ingenieurberuf attraktiver werden.

Zunächst wurde auch in den Ingenieurwissenschaften die formale Umstellung der Studiengänge auf das neue zweistufige System mit den Abschlüssen Bachelor und Master erfolgreich abgeschlossen. Es zeigt sich, dass diese Abschlüsse von der Wirtschaft akzeptiert werden und die Absolventen keinerlei Schwierigkeiten haben, entsprechend ihren Qualifikationen in das Berufsleben einzusteigen. Dies entkräftet auch die Verunsicherung bezüglich der Akzeptanz eines Bachelorabschlusses: Bachelorabsolventen in den Ingenieurwissenschaften suchen durchschnittlich nicht länger nach einer geeigneten Anstellung als Absolventen von Diplomstudiengängen. Doch durch die Umstellung auf das zweistufige Studiensystem ist die Bologna-Reform in den Ingenieurwissenschaften noch lange nicht abgeschlossen: Es wurden längst nicht alle Ziele der Reform erreicht. Der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) hat deshalb im Juni 2011 mit einem Positionspapier zur Umsetzung der Bologna-Reform in den Ingenieurstudiengängen Stellung bezogen.

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die hohen Abbruchquoten zu senken. Diese liegen in den Ingenieurwissenschaften bei durchschnittlich 35 Prozent, an manchen Hochschulen sogar bei 50 Prozent. Beispiele einzelner Hochschulen zeigen, dass die Abbruchquoten jedoch signifikant gesenkt werden können. Der VDI hält insgesamt eine Halbierung der Abbruchquoten für möglich und fordert Politik und Hochschulen auf, die dafür notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Da die meisten Studierenden bereits in den ersten beiden Semestern abbrechen, müssen die Maßnahmen früh ansetzen: Zum einen sollte das Beratungsangebot für Studierende vor Aufnahme eines Ingenieurstudiums deutlich ausgebaut und durch Auswahlgespräche und Brückenkurse ergänzt werden. Zum anderen muss die Betreuung der Studierenden insbesondere während der ersten beiden Studiensemester deutlich verbessert werden. Darüber hinaus sollten Fragestellungen der beruflichen Praxis bereits vom ersten Semester an in das Studium integriert werden, z.B. durch entsprechende Projektarbeiten.

Eine zweite große Herausforderung besteht darin, dass die Studierenden »mobiler« werden – national wie international. Auf nationaler Ebene ist die Mobilität beim Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium bereits vorhanden: Einige Bachelorabsolventen von Fachhochschulen wechseln z. B. für das Masterstudium an eine Universität. Bisher gehen jedoch nur 16 Prozent der Ingenieurstudenten für ein Semester oder ein Praktikum ins Ausland. Der Anteil an Auslandsaufenthalten sollte deutlich ausgebaut werden und nach Empfehlung des VDI mindestens vier Monate lang sein, denn Auslandsaufenthalte wirken sich gleichermaßen positiv auf die Fremdsprachenkompetenz und die Persönlichkeitsentwicklung aus.

Autor: Lars Funk, Bereichsleiter VDI Beruf und Gesellschaft

Weitere Informationen: www.vdi.de/Politik

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