05Mai2011

Schneller, besser, wirtschaftlicher: Die neuen Multis

Seit Ende 2008 zeichnet sich ein deutlicher Trend zu noch flexibleren Multifunktionsanlagen ab. Die veränderten konjunkturellen Rahmenbedingungen fordern vor allem von den Vielstoffbetrieben für die Produktion von Intermediates der Fein-, der Spezial- und der Agrochemie sowie der Pharmaindustrie Anpassungen für eine bessere Wirtschaftlichkeit.

Immer mehr Hersteller von Endprodukten der obengenannten Branchen nehmen vermehrt geringere Mengen von Intermediates pro Bestellung ab. Gleichzeitig werden kürzere Lieferzeiten gefordert, um flexibler auf den Endkundenbedarf reagieren zu können. Zusätzlich wollen sowohl Hersteller als auch Weiterverarbeiter möglichst auf die Lagerhaltung von Intermediates verzichten.

Um die große Produktvielfalt der Intermediates und die zudem noch kleinen Produktionschargen zu realisieren, muss eine Anlage extrem flexibel betrieben werden können. Die Wirtschaftlichkeit solcher Multifunktionsanlagen – für geringe Produktions- und Outputmengen bei verkürzten Kampagnen – zu sichern ist eine Herausforderung an die Anlagenplaner.

Wie können bei kleinen Chargengrößen bessere Wirkungsgrade bezogen auf In- und Output erzielt werden? Wie lassen sich kürzere Umstellungszeiten bei den Produktwechseln erreichen? Wie lässt sich weniger Ausschuss (weniger Edukt- und Produktverlust) bei der Produktumstellung durch einen möglichst minimalen Anlagen-Hold-up realisieren? Wie viel Reinigungsmittel kann, darf und sollte optimalerweise bei jedem Produktwechsel verbraucht werden? Gibt es Möglichkeiten, den produktionsintegrierten Umweltschutz weiter auszubauen? »Kleine Modifikation – große Wirkung!« heißt die Aufgabenstellung, um die Investitionen in die Umstellung bestehender Anlagen möglichst überschaubar zu halten.

Kreative Lösungen sind gefragt. Es gilt, neue Konzepte für das Zusammenspiel von Tanklager, Pumpen, Piping-Verteilersystemen, Reaktoren und weiteren Anlagenkomponenten zu entwickeln sowie entsprechend logistisch angepasste Verladesysteme zu erarbeiten. Auch über eine weitere Erhöhung des Automatisierungsgrads der Anlagen durch bspw. Umstellung auf Rezepturfahrweise, die hiermit verbundene Lagerung der Reaktions- und Mischbehälter auf Wägezellen und den Austausch von Hand- gegen Automatikarmaturen muss nachgedacht werden. Die Schonung der Umwelt und auch des Geldbeutels könnte man unter anderem z. B. durch die Rezirkulierung und Aufarbeitung von Reinigungsmittellösungen erwirken.

Zeitgemäßer Anlagenbau heißt, Trends zu kennen, mitzudenken, weiter zu denken und sich ebenso sinnvolle wie nachhaltige Lösungen auszudenken.

Übersicht