08November2010

Engineering-Know-how für Chemie, Petrochemie und Raffinerien

Seit Juli gibt es einen neuen Player im Anlagenbau. Planting bietet als Ausgründung der ABLE GROUP Engineering-Dienstleistungen für Chemie-, Raffinerie- und Petrochemieanlagen an. PROCESS befragte Geschäftsführer Dieter Hofmann nach den kurz- und mittelfristigen Zielen der neuen ABLE-Tochter.

PROCESS: Herr Hofmann, am Engineering-Markt gibt es wenige Großanlagenbauer und eine beachtliche Zahl kleinerer und mittlerer Engineering-Unternehmen. Wo wollen Sie sich mit Planting positionieren?

Hofmann: ...ganz klar im Mittelfeld. Wir betrachten uns als unabhängigen Planer, der Projekte mit Investitionsvolumen zwischen zehn und 50 Millionen Euro abwickelt. Der Großanlagenbau ist definitiv nicht unsere Welt.

PROCESS: Wo sehen Sie Ihre Stärken, und wie schätzen Sie Ihre Chancen am Markt ein?

Hofmann: Unsere Stärken sehen wir im Moment in den Bereichen Raffinerie, Petrochemie, Chemie. Hier wird in den nächsten Jahren ein hoher Investitionsbedarf entstehen. Europanormen und das Bundesimmissionsschutzgesetz müssen umgesetzt werden, es werden Anlagenoptimierungen nötig und Ersatzinvestitionen, um notwendige Energieoptimierungen durchzuführen, nicht zuletzt um CO2-minimiert zu produzieren.

PROCESS: Woher stammt der starke Fokus auf das Raffineriegeschäft?

Hofmann: Der Fokus auf das Raffineriegeschäft ist historisch gewachsen. Unser Kölner Büro gibt es schon seit 25 Jahren und hat als technisches Büro Anlagenbau der FERCHAU Engineering GmbH begonnen, welche die ersten zehn Jahre ausschließlich für einen großen Raffineriekunden gearbeitet hat. Von unseren 100 Mitarbeiter sind deshalb im Moment 70 Prozent im Raffineriegeschäft tätig.

PROCESS: Momentan liegt der Schwerpunkt Ihrer Projekte in Deutschland....

Hofmann: Das soll auch in den ersten drei Jahren so bleiben. Wir sind trotz der 25-jährigen Engineering-Erfahrung ein neuer Name am Markt und wollen unser Geschäft erst einmal auf eine stabile Basis stellen. Wobei wir natürlich ein lukratives Auslandsprojekt nicht ablehnen. Wir betreuen sogar bereits Auslandsprojekte, die allerdings von einem deutschen Auftraggeber stammen.

PROCESS: Gibt es in Deutschland noch Platz für einen weiteren Player?

Hofmann: In den nächsten Jahren werden sich die Projekt-, Anlagen- und Werksstrukturen unserer potenziellen Auftraggeber ändern und den Markt stark beeinflussen. Zurzeit gibt es in unserem Segment in Deutschland maximal zehn Unternehmen. Ob ein Unternehmen die in den nächsten fünf bis zehn Jahren anstehenden Probleme bewältigen kann, ist auch eine Frage der Größe. Wir werden, gemessen an der Mitarbeiterzahl von 300, die wir in drei Jahren erreichen wollen, eines der größeren sein.

PROCESS: Welche Wachstumsziele verfolgen Sie?

Hofmann: In unserer operativen Zentrale in Köln arbeiten zurzeit 100 Mitarbeiter. Für die Zukunft planen wir in jedem Jahr die Gründung einer neuen Niederlassung. Dabei wollen wir die sechs anlagenbaustarken Regionen Deutschlands abdecken. Dazu gehören u.a. Ostdeutschland, Rhein Ruhr, Rhein Neckar, Norddeutschland. Jedes Regionalbüro soll bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigen.

PROCESS: Wo sehen Sie Kundenpotenzial – eher bei der Großchemie oder eher beim Mittelstand?

Hofmann: Wir sind zwar von der Organisationsstruktur her ein klassischer Mittelständler und können den Mittelstand dadurch auch bedienen. Aber mit der Großchemie sind längerfristige Geschäfte möglich. Hinzu kommt, dass hier auch stärker konzeptionell gearbeitet wird. Mittelständische Unternehmen müssen oft kurzfristig agieren und haben häufig nur situativen externen Personalbedarf, um Optimierungs- oder Instandhaltungsarbeiten durchzuführen.

PROCESS: Wie definieren Sie Ihr wichtigstes Alleinstellungsmerkmal?

Hofmann: Wir arbeiten so flexibel wie ein mittelständisches, lokal arbeitendes Unternehmen und können dabei auf Organisationsprozesse und Verfahrenskenntnisse zurückgreifen, die dem Großanlagenbau ähneln. Das ist gerade für den deutschen Markt von Vorteil, da hier zwar kaum noch ganz große Anlagen gebaut werden, aber aufgrund des starken internationalen Wettbewerbs wirtschaftliche und innovative Lösungen für bestehende Anlagen gefragt sind.

Herr Hofmann, vielen Dank für das Gespräch.

* Das Gespräch führten Anke Geipel-Kern und Gerd Kielburger, beide Redaktion PROCESS.

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